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Die Dekadenz | Kapitelübersicht
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Die Dekadenz ist eine Überheblichkeit, die sich keine Gruppe erlauben kann, ohne in ihren eigenen Untergang zu steuern. Sie äußert sich in Drogen- und Konsumsucht. Konsumiert werden neben Speis und Trank auch Menschen.
Die Dekadenz ist nicht den Reichen vorbehalten. Es ist nicht nötig, Lachs-Canapés mit Champagner zu kombinieren. Whiskey-Cola mit Erdnussflips sind ebenfalls dekadent, um ein prägnantes, wenn auch eindimensionales Beispiel zu bringen. Das hängt mit dem Ursprung des Begriffs »Dekadenz« zusammen ... Die »Dekade« – gemeint ist damit schlicht: ein Jahrzehnt – steckt in dem Wort Dekadenz. Das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts – nicht nur des 19. Jahrhunderts – war von der Vorstellung geprägt, dass bei Anbruch des folgenden Jahrhunderts die Welt untergehen würde. Den meisten von uns dürfte diese Ansicht von der Zeit vor der Jahrtausendwende bekannt vorkommen. Und so haben dann diejenigen, die es sich leisten konnten, noch mal richtig die Sau herausgelassen. — Und das ist es, was Dekadenz eigentlich meint: Das achtlose Stillen von neurotischen Bedürfnissen, deren Ursprung in Misshandlungen der Seele liegen. Ein bisschen starker Tobak. Historiker werden vielleicht Einwände haben und einiges richtig In unserem Verhalten äußert sich eine Haltung. Mit einem bestimmten Verhalten reagieren wir auf etwas Bestimmtes. Und diese Aktion ist dekadent, wenn sie nicht dem natürlichen Sinn für Angemessenheit entspricht. Dekadent ist, was als Antwort auf ein Problem gegeben wird, das aber nicht der innewohnenden Frage des Problems gerecht wird. Der Frage, die Sie sich stellen würden, wenn Sie ganz allein und auf sich gestellt wären. Aber wie kommen wir da heraus? — Dafür gibt Mr. Keating (»Der Club der toten Dichter«) würde an dieser Stelle gespannt fragen: »Was wird wohl euer Vers sein?« Soziale Plastik ist gleichsam basisdemokratische Politik. Wenn Sie zu den Politikverdrossenen gehören, die sich schon beim Wort »Politik« angewidert abwenden, dann liegt das vor allem an »Es gibt viel zu tun ... «, sagt Britta in dem Film »Liegen Lernen«. Die spätere Britta hat sich zwar weltanschaulich zum Negativen entwickelt. Das Eine ist ihr jedoch gelungen: ein klarer Absprung von ihrem vormaligen Leben. Leider muss man hinzufügen, dass sie die Qualitäten ihres Charakters offenbar auch zurückgelassen hat. — Das empfehle ich nicht. Qualitäten sollte man nicht aufgeben. Das ist nicht notwendig. Man sollte nur negative Verhaltensweisen aufgeben. Denn solche Verhaltensweisen bedecken Sie mit einer Maske, die zu andauernden Missverständnissen führt. Wenn Sie nun Lust bekommen haben auf die beschriebene Politik und diese Lust noch potenzieren wollen, empfehle ich Ihnen zweierlei: Und falls es Ihnen im Text aufgefallen ist: Ja, ich denke auch, dass das Selbstwertgefühl mit der Ablenkung von einem selbst nicht wirklich gestärkt werden kann. Deswegen funktioniert diese Ablenkung auch nicht. Das wäre ja so, als ob Sie das Etikett einer billigen Synthetik-Textilie in das Produkt einer Luxus-Öko-Bekleidungsmarke einnähen würden. Es ist einfach absurd, sich abzulenken von sich selbst. Denn der zu findende Schatz liegt in einem – nicht woanders … Selbst die Auseinandersetzung mit unserer Angst ist ein Schatz. Denn diese Beschäftigung führt uns zu der Erkenntnis, wessen wir bedürfen – und versetzt uns somit in die Lage, diesen Bedürfnissen entgegenzugehen.
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