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Die Kreativität | Kapitelübersicht
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Die Kreativität ist nicht irgendetwas. Sie ist zu- nächst einmal ein Missbrauchsopfer und schließlich doch der Schlüssel zu allem Guten. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die sich sozial engagieren, für eine bessere Welt und für Frieden, dann kommen Sie nicht um die Kreativität herum. Denn sie ist eine unglaublich starke Waffe gegen Krieg, Hass, Intoleranz und Gleichgültigkeit. Warum meine ich das? Weil ich der festen Überzeugung bin, dass ein Mensch, dessen Kreativität gefordert wird, keine Kraft mehr für Krieg, Hass, Intoleranz und Gleich- gültigkeit hat. Er wird sich stattdessen in der Folge ganz dem kreativen Ziel widmen – er wird sogar Entbehrungen in Kauf nehmen, nur um das Ziel zu erreichen.
Doch falls Sie nun Heureka! rufen und ein Transpa- rent malen mit der Überschrift »Mehr Malkästen für die Gesellschaft!«, haben Sie etwas missver- standen … Joseph Beuys hat einmal gesagt: »Man kann doch heute nicht einfach wieder Leinwände aufspannen und die bemalen. (…) Die Bilder, die heutige Maler oftmals produzieren, sind deswegen so schlecht, weil sie sich egoistisch in einer Zeit bewegen, die längst etwas anderes von ihnen for- dern würde. Das heißt, die Bilder sind deswegen so schlecht, weil sie die eigentliche Farbigkeit in der neu entstehenden Disziplin der Kunst – wenn die Kunst sich aus sich selbst entwickelt, aus ihrem modernen Feld in das anthropologische Feld – weil sie das überhaupt nicht beachten«.¹ — Sie finden das komisch, gar utopisch? — Beuys hatte einmal ein Projekt ins Leben gerufen, das hieß »7000 Eichen« und sah vor, die gesamte Stadt Kassel mit Eichen zu begrünen. Beuys legte auch selbst Hand an und antwortete auf die Frage eines Journalisten, wie viele Bäume gepflanzt werden sollen: »Das Ziel ist, die ganze Welt mit Bäumen voll zu pflanzen (…) – das geht alles!« ² — »Die Soziale Plastik ist das, was zwischen den ¹ In: Beuys über Beuys, WDR 3 Fernsehen, 29. Februar 1988, 22.45-23.45 Uhr. ² In: Beuys als Politiker, arte Fernsehen, 26. März 1997, 0.05-0.25 Uhr. ³ In: kultur aktuell, NDR 3 Fernsehen, 18. Februar 1988, 21.35-22.25 Uhr.
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